Winter ist nicht das Problem — sondern Wiederholung

29. Januar 2026

Wir sprechen vom Winter oft als etwas, das man ertragen muss—als eine Zeit, die man hinter sich bringt. Eine Jahreszeit, die man überlebt, während man darauf wartet, dass das Leben wieder beginnt. Wir geben der Kälte die Schuld, der Dunkelheit, den kurzen Tagen. Aber was, wenn der Winter gar nicht das eigentliche Problem ist? Was, wenn es die Wiederholung ist?

99 Silver Balloons @ IKONO Berlin

Irgendwann haben wir gelernt, den Winter mit Stillstand zu verbinden—mit Verlangsamung, mit weniger Tun. Das kalte Wetter wurde zur Ausrede, das Leben zu pausieren und vertraute Pläne zu wiederholen, bei dem zu bleiben, was sicher und vorhersehbar ist.

Der Winter zwingt uns nicht zur Langeweile: Wir erwarten von Anfang an, dass er weniger bietet.

Und Erwartungen zählen. Wenn wir den Winter als Warteraum sehen, fühlt sich jeder Tag gleich an. Die Wochen verschwimmen—nicht weil nichts passiert, sondern weil nichts besonders genug ist, um hängen zu bleiben.

Warum wir der Kälte die Schuld geben

Dem Wetter die Verantwortung zuzuschieben ist leicht: Kälte ist greifbar, Dunkelheit sichtbar—Routine nicht. Aber Langeweile entsteht nicht durch niedrige Temperaturen. Sie entsteht durch Wiederholung—durch Tage mit derselben Struktur, denselben Plänen, denselben Rhythmen, denselben Ergebnissen. Wenn nichts unsere Aufmerksamkeit herausfordert, schaltet das Gedächtnis auf Autopilot.

Deshalb können ganze Winter aus unserer Erinnerung verschwinden. Nicht, da sie unangenehm waren, Sie sind nur einfach nicht mehr auseinander zu halten.

Der Winter vergeht. Die Wiederholung bleibt.

Denk darüber nach. Niemand erinnert sich daran, wie viele Grad es letzten Februar hatte. Niemand kann sich an die Anzahl der Stunden Tageslicht erinnern. Was bleibt, sind Momente—Empfindungen, kleine Erlebnisse, welche das Muster durchbrochen haben. Erinnerung ist nicht saisonal. Sie ist erfahrungsbasiert.

Besondere Tage hinterlassen Spuren, doch sind sie identisch, verblassen sie. Der Winter lässt einen nich vergessen. Wiederholung tut es.

Was passiert, wenn wir die Haltung ändern—nicht den Kontext

Und hier wird es spannend: Du musst dem Winter nicht entkommen, um ihn anders zu erleben. Die Jahreszeit zu ändern ist nicht immer möglich. Dein Verhalten jedoch, dies kannst du ändern.

Wenn der Winter statt Pause, Raum für Entdeckung ist, verschiebt sich alles. Nicht weil die Kälte verschwindet, sondern weil Neugier einzieht. Wenn wir uns erlauben zu spielen und zu erkunden, Erfahrungen ohne feste Erwartungen zu betreten, fühlt sich der Winter plötzlich leichter an. Er beginnt offen zu wirken.

Spiel als Ausweg aus dem Autopilot

Spiel hat nichts mit Alter zu tun. Es geht um Aufmerksamkeit.

Wenn wir spielen, sind wir präsent, wir reagieren, lassen uns ein. Wir schauen nicht mehr auf die Uhr. Genau deshalb ist Spiel im Winter so wichtig—es unterbricht die Wiederholung. Es schafft Momente, welche in langen, dunklen Wochen herausstechen.

Bei IKONO Berlin ist Spiel kein Ziel und keine Leistung. Es ist eine Einladung. Es gibt keine Anleitungen, keine festen Routen, keinen richtigen Weg durch das Erlebnis. Man kommt neugierig hinein und lässt Dinge passieren. Und in dieser Offenheit fühlt sich der Winter plötzlich leichter an.

Der Winter tötet keine Kreativität. Routine tut es.

Kreativität verschwindet im Winter nicht. Sie wird nur von Gewohnheit überdeckt. Es ist eine bequeme Vorstellung, dass Inspiration Winterschlaf hält—sie entbindet uns davon etwas neues zu versuchen. Aber Kreativität ist nicht saisonal. Sie ist reaktiv. Sie erscheint, wenn etwas sie einlädt.

Wir müssen aufhören, vom Winter weniger zu erwarten, wir müssen aufhören ihn auf Autopilot zu leben. Wenn wir das schaffen, öffnet sich plötzlich die Jahreszeit.

Anders wählen—ohne auf den Frühling zu warten

Den Winter muss man nicht einfach hinter sich bringen, man entscheidet sich, wie man ihn lebt.

Du kannst ihn wiederholen. Oder du kannst ihn erleben.

Denn der Winter wird nicht erinnert. Was du in ihm tust, schon.

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